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transport logistic 2019 – Fachkräftemangel in der Logistik: Hausgemachte Probleme?

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Die transport logistic in München ist auch 2019 die weltweite Leitmesse rund um Logistik, Mobilität und Supply Chain Management. Mehr als 2.000 Aus­tel­ler präsentieren rund 60.000 Besuchern inno­va­tive Lösungen und Produkte aus über 60 Län­dern. Ein dominantes Thema dieses Jahr: der Fach­kräfte­man­gel in der Logistikbranche. Experten warnen vor drama­tischen Ent­wick­lun­gen inklusive einer Wachs­tums­bremse. Aber ist die Zukunft wirklich so düster? Ist die Branche selbst schuld, weil sie im Dämmer­schlaf die Zeichen der Zeit ver­kannt hat? Welche Lösungsideen gibt es?
 

Krise mit Ankündigung

Fachkräftemangel bedeutet in der Logistik vor allem Fahrer­mangel. Die Branche hat ein Altersproblem, das seit Jahren immer schlimmer wird: 20 Prozent aller Lkw-Fahrer in Deutsch­land sind laut Kraftfahrtbundesamt älter als 55. Jedes Jahr gehen rund 67.000 Trucker in Rente. In einem laufenden Jahr kommt aber weniger als die Hälfte an Nach­wuchs­fahrern neu hinzu. Somit stellen sich Verbände darauf ein, dass zukünftig jährlich min­des­tens 40.000 Lkw-Fahrer fehlen.

Das Altersproblem ist nur einer der Gründe für den Mangel an Fachkräften. Die schlechten Arbeitsbedingungen inklusive enormem Stress und langen Lenk­zeiten, zunehmende Krimi­nali­tät an Rastplätzen, ein geringer Lohn und das ins­ge­samt schlechte Image des Berufsbilds sorgen dafür, dass sich immer weniger junge Menschen für diesen Beruf interes­sieren und entscheiden. (Quelle: Darum muss Lkw-Fahrer dringend ein Traumberuf werden
 

Droht der Versorgungskollaps?

transport logistik 2019

Konnten die fehlenden Ressourcen in den ver­gan­genen Jahren mit Fahrern aus Osteuropa aus­ge­glichen werden, ist dies inzwischen keine Option mehr. Laut dem Verband Verkehrs­wirtschaft und Logistik Nordrhein-Westfalen kom­men aktuell kaum noch Lkw-Fahrer aus Ländern wie Rumänien oder Bulgarien nach Deutschland, weil vor allem die miserablen Arbeitsbedingungen und die prekäre rechtliche Lage inzwischen immer mehr potenzielle Fahrer abschrecken. Auch abseits der Straße gehen langsam die Alternativen aus: Mit 112 Milliarden Tonnenkilometern lag der Schie­nen­güter­verkehr schon im Jahr 2017 nahe an der Kapazitäts­grenze von 130 Milliarden Tonnenkilometern.

Im Jahr 2018 lag der Anteil des Lkw am gesamten Güterver­kehrsvolumen bei knapp 72 Prozent. Auf vielen Strecken gibt es keine Alternative zur Straße. Diese Entwicklung wird bald zu einer Wachstumsbremse für die Branche. Eng­pässe sind vor allem bei Konsumgütern für Super­markt­ketten, Be­klei­dung, Möbeln oder Elektroprodukten zu befürchten, weil diese Güter fast aus­schließ­lich von Lkw transportiert werden. Im Jahr 2018 kam es in diesen Segmenten bereits zu lo­gis­tischen Engpässen inklusive verzögerten Liefer­fristen. (Quelle: Darum muss Lkw-Fahrer dringend ein Traumberuf werden)

Hausgemachte Probleme?

autobahn

Es wirkt wie so oft: Eine Branche verschließt die Augen vor dem Struk­tur­wandel vor der eigenen Haustür. Dieser Struktur­wandel vollzieht sich zwar sehr viel rasanter als in der Vergangenheit, er kommt aber nicht über­ra­schend. Ein Auge wird verschlossen vor der enormen Dynamik, mit der neue Techno­logien auch den Logistik­markt grund­legend verändern. Man will nicht daran denken, dass Millionen Arbeits­plätze durch den Einsatz autonomer Fahr­zeuge oder KI-gefütterter Lager­roboter wegfallen könnten. Das erste Auge wird bereits vor dem Problem des Fachkräftemangels verschlossen. Das Ergebnis: Man wirbt für ein verstaubtes Berufsbild des Lkw-Fahrers, das in spätestens 15 Jahren nicht mehr existiert.

Der Rat von Experten: Vertraut dem Markt! Seine selbst­regu­lieren­den Kräfte werden zukünftig bestimmen, welche Arbeit wirt­schaft­licher durch eine Ma­schi­ne ausgeführt werden kann. Gleichzeitig schafft dieser verstärkte Einsatz von Robotern neue Jobs, bei denen der Mensch mit der Maschine kooperiert, sie program­miert, steuert, mit Informationen füttert oder sie zumindest überwacht. Da diese Stellen wichtig für den zukünftigen Erfolg der Unternehmen sind, werden sie auch besser bezahlt als Fernfahrer. Unternehmen müssen aber auch erkennen, dass der Lohn in der heutigen Arbeitswelt nicht allein entscheidend ist. Um Nachwuchs­kräfte zu gewinnen, müssen auch Faktoren wie Betriebsklima und Work-Life-Balance stimmen. Statt also weiter verzweifelt das Image des Brummifahrers zu polieren, sollten Unternehmen dem Nachwuchs zeigen, welche spannenden neuen Jobs die Industrie 4.0 auch in der Logistik zu bieten hat. (Quelle: Fachkräftemangel in der Logistik tatsächlich)

Hoffnung am Horizont

So trüb der Blick auf die Entwicklung der Fachkräfte, so vielversprechend und vielfältig die Lösungsansätze, um Prozesse in der Logistik mit Hilfe der neuen Technologien zu optimieren. Dabei gibt es verschiedene Ansätze: Mittels Künst­licher Intelligenz und autonomer Logistik können Spediteure Ausfallzeiten ver­rin­gern. Durch IoT-Technologie (Internet of Things) lassen sich Güter in Waren­häusern miteinander vernetzen. So können Updates über den Zustand der Ware automatisiert weitergegeben und Prozesse autonom initiiert werden. Wie könnte das konkrete Problem des Fahrermangels adressiert werden? Nach­folgend drei Lösungsansätze von der transport logistic:

1. Brummi mit Fernbedienung

Klingt wie ein Apple-Produkt, ist aber ein Lastwagen: Der T-Pod ist ein voll­elek­trischer, autonom fahrender Lkw, der gemeinsam von den Unter­nehmen Einride und DB Schenker entwickelt wurde. Er befindet sich in Schweden bereits im Einsatz und pendelt dort aus Sicher­heits­gründen noch im Schnecken­tempo vom Aus­gangs­punkt über eine öffentliche Straße zu einem Lagerhaus und zurück. Später wird der Lkw eine Höchst­geschwin­digkeit von 90 km/h erreichen. Ein Fahrer­haus sucht man vergeblich; ein Mensch kann den Last­wagen bei Bedarf mit einer Fern­steuerung steuern. Das ist aus einer Ent­fernung von mehreren hundert Kilo­metern möglich.

2. Konvoi ohne Fahrer

Das Fahren von mehreren autonomen Lkw in einem Verbund reduziert Personal- und Sprit­kosten. So das Ergebnis eines Forschungs­projekts des Nutz­fahrzeug­herstellers MAN und des Logistik­unter­nehmens DB Schenker. Bei dem soge­nan­nten „Platooning“-Test sind zwei Lkw im Konvoi mehr als 35.000 Kilo­meter gefahren, unter anderem auch auf öffentlichen Straßen wie der Autobahn A9 zwischen München und Nürnberg. Die autonom fahren­den Last­wagen benötigen keinen Fahrer, durch die konstante Fahrt im Wind­schatten wird zudem der Kraft­stoff­verbrauch um 3 bis 4 Prozent gesenkt.

3. Daimler springt auf Level 4

Daimler bündelt seit Juni 2019 seine Aktivitäten für die Ent­wick­lung autonom fahrender Lkw in seiner Auto­nomous Technology Group. Unter diesem Dach wird ab sofort ge­forscht und entwickelt, werden Infra­struk­turen geschaffen und Projekte umgesetzt. Das Ziel: Bis zum Jahr 2029 sollen Fahrzeuge der Auto­nomiestufe 4 Güter transpor­tieren. Level 4 ist die zweit­höchste Stufe auto­no­men Fahrens: Ein mensch­licher Fahrer übernimmt nur noch nach Auffor­derung des Systems bei beson­deren Situa­tionen das Lenk­rad. Daimler investiert eine halbe Milliarde Euro in die Reali­sierung der Zukunfts­pläne. So wurde im März 2019 Torc Robotics erworben, ein auf die Entwick­lung von Systemen für auto­nome Fahr­zeuge spezia­lisiertes US-Unter­nehmen.

(Quellen: Elektrisch und autonom auf öffentlicher Straße; Lkw-Platooning im Test; Autonome Lkw nach Level 4 in zehn Jahren)

Interim Manager: Ruhepol und Lotse in unruhigen Zeiten

transport logistik 2019

Der Logistikbranche stehen mit dem dynamischen Struktur­wandel und Heraus­forde­rungen wie der Digitali­sierung und dem Fach­kräfte­mangel unruhige Zeiten bevor. Nicht selten fühlen sich Entscheider in Unter­nehmen mit diesen Themen allein gelassen. Eine Führungs­kraft, die auf begrenzte Zeit unter­stützt, kann in einer solchen Situa­tion viel bewirken: Ein Interim Manager kann manuelle Ar­beits­ab­läufe auf digitale, automavtisierte Prozesse verlagern. Dank seiner Erfah­rung weiß er, wie man die digitale Trans­forma­tion an das jeweilige Unter­nehmen anpasst (und nicht andersrum). Er kann Ängste und Skepsis vor Wegen auf bislang unbe­kann­tem Terrain abbauen und steht Ent­schei­dern als verläss­licher Spar­rings­partner auf Augen­höhe zur Seite.

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