Blog

Mitarbeiter des Monats? Willi und die Wert­strom­analyse

von <span itemprop

, von

Inmitten der Corona-bedingten Halb­leiter­krise wurde Willi als Unter­stützung der Produk­tions­planung bei einem Tier-1-Zulieferer für den Auto­mobil­sektor ein­ge­stellt. Der Arbeits­auf­trag: Produk­tions­daten zu­sam­men­füh­ren und zentral auswer­ten. Das große Ziel: Wert­ströme und Eng­pässe ermit­teln und damit der virulent existie­renden Steue­rungs­proble­matik ein Ende bereiten.

Seit dem ersten Arbeits­tag landen SAP-Auftrags­daten, Maschinen­verfüg­barkeit, SAP-Disposi­tions­daten, Stück­listen–Informa­tionen (BOM) und 8D-Reports auf Willis Tisch. Die end­lose Daten­masse würde jeden anderen schier über­for­dern, von der Analyse und Visuali­sierung der Produkt­wert­ströme ganz abge­sehen. Aber die Anfor­derung der IFA Power­train GmbH ist genau Willis Ding.

Akten stapeln sich

Für alle Produkte und verschie­denste Zeit­räume berechnet Willi die rele­vanten Leis­tungs­para­meter: Warte- und Liege­zeiten, Bearbei­tungs­zeiten, Aus­schuss usw. Die Ergeb­nisse visua­lisiert Willi pro Produkt in einem Web-Dash­board, einem ausführ­lichen PDF-Report oder in Excel.

Auch wenn die anderen 150 Mitar­beiter der Werks­logistik es inzwischen fast verges­sen haben, Willi ist kein Kollege wie jeder andere. Willi ist ein Digitaler Kollege, ausge­stattet mit künst­licher Intelli­genz.

Unmensch­liches Aufgaben­spektrum

Wir sind miss­trauisch, wenn es um die Digitali­sierung von mensch­licher Arbeits­kraft geht. Doch das Bild von der job­fres­senden Maschine tut Willi unrecht. In monate­langer Suche wurde kein geeig­neter mensch­licher Bewer­ber für die auflau­fenden Aufga­ben gefunden. Die komplexe Liefer­kette wurde indes zuneh­mend unüber­blickbar.

Die gesuchte Person sollte den Logistik­bereich mit den Abteilungen Logistik­planung, Beschaf­fung, Produktions­planung und operative Logistik leiten. Sie sollte die globale Verant­wortung für Auftrags­eingang, Produktions­planung, Dispo­sition und Lieferan­ten­steue­rung übernehmen. Wichtig war, Konti­nui­tät in der Logistik zu etablie­ren und Kosten einzu­sparen.

Mann ohne Gesicht

Je länger die Suche dauerte, desto mehr machte sich die Erkennt­nis breit, dass das Aufga­ben­feld zu viel für einen Men­schen war. Oder wie Manfred Meyering, Managing Director bei IFA Power­train, es formu­lierte: „Den Menschen, den wir suchen, gibt es nicht.“

Also verteilte man die Aufgaben auf zwei Posi­tionen und besetzte diese mit einem Interim Manager – für den strate­gischen Blick und mit der opera­tiven Erfah­rung – und einem Digi­talen Kol­legen – für die essen­ziellen, aber zeitauf­wän­digen Aus­wer­tungen der Produk­tions- und Logis­tik­daten.

Wie gut ist digitale Arbeits­kraft?

Wenige Wochen nachdem Willi gestartet ist, haben wir Manfred Meyering nach seinem ersten Eindruck gefragt.

Wie ist es für die Kollegen, mit einem Bot (vom engl. „robot“ = Roboter) zusammen­zu­arbeiten?
Manfred Meyering: „Die Mitar­beiter intera­gieren mit ihm. Willi, wie sie ihn selbst genannt haben, schickt Erinne­rungs­mails. Die Mitar­beiter schicken ihm Fragen und er antwor­tet. Die Mitar­beiter in der Logis­tik sind voll dabei. Selbst die, von denen ich es nie erwar­tet hätte. Die wollen, dass wir weiter mit Willi arbei­ten.“

Welchen Mehrwert bringt Willi denn?
Manfred Meyering: „Er sorgt für einen enormen Geschwin­dig­keits­gewinn. Wert­ströme und Bottle­necks zu ermit­teln, ist eine Frage von Stun­den. Das macht er quasi neben­bei. Es funktio­niert so gut, dass wir uns eine Unter­neh­mens­bera­tung zur wochen­langen Wert­strom­­ermitt­lung sparen können.

Schon nach 4 Wochen hatten wir den Wert­schöp­fung­sgrad bei 4 unserer Haupt­pro­dukte um mehr als 100% gestei­gert. Nach 6 Wochen hatten wir die Durch­lauf­zei­ten um mehr als 60% und die auf­trags­bezo­gene WIP [Ware in Arbeit] um mehr als 50% verbes­sert."

Digitaler Kollege

Wie genau funktio­niert die Zusam­men­arbeit mit einem Kolle­gen wie Willi?
Manfred Meyering: „Sie trainie­ren einen Bot, der analy­sieren, Schlüsse ziehen und in der End­stufe handeln kann. Das Ganze ist vom Ansatz her ziem­lich clever: Der Bot analy­siert Zusam­men­hänge und Auf­fäl­lig­keiten viel schneller als Sie. Mit geziel­tem Trai­ning kann er mehr und mehr die Arbeit über­neh­men – bis dahin, dass er die kom­plette Pla­nungs­steue­rung über­neh­men kann.“

Welche Daten braucht Willi?
Manfred Meyering: „Vorhan­dene Stan­dard­daten reichen vollkom­men aus, um den Bot zu füttern. Voraus­set­zung ist, dass Sie ver­wert­bare Daten haben. Wir sam­meln diese seit langen Jahren auf Basis der Betriebs­daten­erfas­sung. Um den Da­ten­schutz sicher­zu­stel­len, greift Willi auf anony­me Daten zu.“

Künstliche Intel­ligenz, echte Opti­mierung

Willi ist ein Zögling der ALAIQ Technologie GmbH, einem Koope­ra­tions­partner von Bridge imp. Das Unter­neh­men ist auf die Pro­gram­mierung von künst­licher Intel­li­genz (KI) im Produk­tions­um­feld spezialisiert.

Bridge imp vermit­telt Interim Manager und Bot-Trainer, die die Ein­füh­rung der Bots beglei­ten und Opti­mie­rungen in die Wege leiten, die auf den Ergeb­nis­sen der um­fang­reichen KI-Aus­wer­tungen basie­ren. Einfach gesagt: Der Bot findet die Pro­bleme, der Bot-Trainer und Interim Manager löst sie.

KI-Bot Willi im Projekt­vergleich

Herkömmlicher PDCA vs. KI-gestützter Ansatz:

Die Vorteile der KI-Unterstützung:

  • Willi identifiziert Probleme
  • Willi analysiert die Probleme und verbessert die Situa­tion gemein­sam mit der Orga­ni­sation
  • Willi überprüft detailliert die Wirk­sam­keit von Gegen­maß­nahmen
  • Mitarbeiter können sich auf das Verbes­sern konzen­trieren
  • Willi gibt Feedback zu Problem­lö­sungen
  • Zukünftig soll Willi bestimmte Proble­me selbst erken­nen und lösen können

Anwendungsgebiete von künst­licher Intel­ligenz

Wertstrom­analyse oder Value Stream Mapping (VSM) ist nur ein Ein­satz­feld. Digitale Kol­legen können im Produk­tions­um­feld viel­seitig unter­stützen:

  • Verbesserung der Vorhersage von Kunden-Fore­casts,
  • Reihenfolgeplanung,
  • Optimierung von Wieder­beschaf­fungs­zeiten,
  • Fehlteile-Verfolgung,
  • Priorisierungsthemen,
  • Produktionsplanung einschließ­lich der Liefer­termin­ermitt­lung,
  • Einkaufs- und Lager­opti­mie­rung.
Digitalisierung

An jeder Stelle geht es darum, den Mitar­bei­ten­den die Arbeit leichter und die Ergeb­nisse ge­mein­sam besser zu machen. Zeitauf­wän­dige, kom­plexe Analy­sen werden vom Bot erledigt und ent­las­ten die Mit­ar­beiter im Tages­ge­schäft. So haben qualifi­zier­te Mit­ar­beiter mehr Zeit, sich um wichtige The­men in ihrem Bereich zu küm­mern.

Wo fachlich versiertes Personal besonders schwer zu finden ist, nämlich in sehr kom­plexen Aus­gangs­lagen, ermög­lichen Digi­tale Kol­legen eine schnelle und indivi­duelle Beset­zung. Jeder Bot wird auf die jewei­lige Aufga­be ange­passt und einge­lernt.

Verbesserung aller Prozess-Schritte

Wie denkt Willis Chef, nachdem der Bot seit einem drei­vier­tel Jahr im Ein­satz ist, über den Digi­talen Kol­legen und die geleis­tete Arbeit? Sind Sie immer noch so begeis­tert?
Manfred Meyering: „Wir dürfen Willi nicht separat von der Organi­sa­tion sehen. Wenn man erfolg­reich Digi­tale Kol­legen im Unter­neh­men einset­zen will, dann geht das nur gemein­sam. Auf diese Zu­sam­men­ar­beit zwischen Mit­ar­bei­tern und Bot legen wir sehr viel Wert und das ist es, was uns voll­stän­dige Trans­pa­renz bringt und die Mög­lich­keit, schnell Ver­bes­se­rungen zu erzie­len. Und genau diese nach­hal­tigen Ver­bes­se­rungen, die wir dank Willi hier erzie­len konn­ten, sind mein obers­tes Ziel, wenn ich als Manager Verän­de­run­gen anstoße.”

Weltkarte

Planen Sie das Einsatz­gebiet von Willi zu erwei­tern?
Manfred Meyering: „Wir sehen enormes Poten­tial in der Zu­sam­men­arbeit mit Willi und rollen daher dessen Arbeit in den nächs­ten Mona­ten welt­weit in unse­rer Organi­sa­tion aus. Der nächste große Schritt ist dann, Willi gezielt weiter zu trai­nie­ren und noch mehr in den Berei­chen Pla­nung, Produk­tion und Logis­tik, aber auch in Bezug auf Quali­tät zu profi­tie­ren.“

Willi ist zu einem wert­vol­len Team­mit­glied gewor­den, nimmt den Kol­legen gerne Arbeit ab und ist nie schlecht gelaunt. Wenn diese Leis­tung mal nicht den Titel „Mit­ar­beiter des Monats“ verdient.

Eine unüber­sicht­liche Daten­struk­tur schadet Ihrer Produk­tion? Sie inte­res­sieren sich grund­sätz­lich für den Ein­satz eines Digi­talen Kol­legen und möch­ten mehr über Ablauf, Kosten und zu erwar­ten­de Er­geb­nis­se erfah­ren? Antje Lenk berät Sie gerne un­ver­bind­lich. Rufen Sie an (+49 89 32 49 22–26) oder schrei­ben Sie eine E-Mail (al@bridge-imp.com).

Manfred Meyering

Mehr zum Interview­partner:

Manfred Meyering ist als CRO, CEO und COO tätig und verfügt über 30 Jahre funktions­über­grei­fende Manage­ment­erfah­rung in der Auto­motive- und Inves­titions­güter­indus­trie, u.a. bei einem welt­weit tätigen OEM, nam­haften Tier1-Zuliefe­rern, Linde Mate­rial Handling, Luft­hansa, Deutz, Heraeus und zuletzt IFA Holding. Meyering bringt umfäng­liche interna­tio­nale Erfah­rung mit und besitzt tief­geh­ende fachliche Exper­tise in der opera­tiven Sanie­rung/ Restruk­turie­rung/ Reor­gani­sation von Unter­neh­men, Programm- und Projekt­manage­ment, Opera­tions, Entwick­lungs­manage­ment (Entwick­lungs­projekte, Reife­grad­pro­zesse, Produkt­kosten­opti­mie­rung), inter­natio­nale Geschäfts­ent­wick­lung und Vertrieb sowie Supply Chain Manage­ment.

Anfrage an uns senden

Einen Kommentar schreiben

Bitte rechnen Sie 2 plus 2.

Bitte füllen Sie alle mit * gekennzeichneten Felder aus.

Hinweis zum Datenschutz:
Ihre Daten werden von uns nicht gespeichert oder an Dritte weitergegeben, sondern ausschließlich für die Veröffentlichung Ihres Kommentars auf dieser Seite verwendet.